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Über Sexualität sprechen — wie machen Sie das?

Trotz aller Aufklärung: Schwierigkeiten mit der Erektion sind für die meisten Männer ein Tabuthema. Weder privat geschweige denn beim Arzt sprechen sie gerne darüber. Dabei ist Scham hier absolut fehl am Platz. Aber auch manche Ärzte tun sich schwer über Sexualität zu sprechen.

Arzt-Patient Gespraech

Grundsätzlich gilt: weniger ist mehr. Allerdings sollten die Fragen so konkret wie möglich formuliert sein. Klagt beispielsweise ein Mann über Erektionsstörungen, könnte der Arzt fragen: "Wann wird Ihr Penis zu wenig steif? Passiert das nur mit der Partnerin oder auch beim Masturbieren? Haben Sie eine Morgensteifigkeit?" Je nach Thema ist auch ein Paargespräch sinnvoll.

Sollte ein Patient gar nicht über Sexualität sprechen wollen, sei es grundsätzlich oder auch nur für den Moment, ist es ein Muss, diesen Wunsch zu respektieren. Doch auch solche Erfahrungen sollten Ärzte nicht davon abhalten, immer wieder die Initiative für ein Gespräch über Sexualität zu ergreifen. Denn wenn der Arzt Sexuelles nicht anspricht, wird es vielleicht nie zur Sprache kommen.

Den Patienten "lesen"
Fest steht: Jeder Patient, der einen Arzt aufsucht, hat viele Fragen, aber auch seine ganz eigene Meinung und persönliche Geschichte. Manche Patienten informieren sich zudem vor ihrem Arztbesuch im Internet oder bei Freunden und Bekannten. All das sollte der Arzt bedenken, bevor er ein Gespräch über Sexualität führt. Für einen positiven Gesprächsverlauf ist es wichtig, den Patienten genau dort abzuholen, wo er sich befindet.

Kulturelle Unterschiede
Dabei können auch kulturelle Unterschiede eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Sexuelle Normen und Wertvorstellungen sind von Kultur zu Kultur verschieden. Gilt beispielsweise in traditionell türkischen Familien das Gebot der sexuellen Unberührtheit vor der Ehe, so sind hierzulande insbesondere junge Menschen offen für freizügige sexuelle Normen und Werte.

3. Die richtigen Worte finden — Sprache und Tonalität
Selbst im Alltag fehlt es oft an einer angemessenen Sprache, um sich über Sexuelles zu verständigen. Die Klaviatur der Begrifflichkeiten reicht von wissenschaftlich-fachlich bis vulgär-obszön. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen. Eine sachliche und neutrale Sprache ermöglicht nicht nur ein offenes Gespräch, sondern setzt auf Vertrauen.

Denn es ist wichtig, den richtigen Ton zu treffen. Spricht man von "Masturbation" oder "Selbstbefriedigung"? Sind es der Penis und die Vagina oder spricht man vom männlichen Glied und der Scheide? Bleibt man sehr nüchtern oder wählt man eine eher emotionale Ansprache? Auf Fachbegriffe sollte man weitestgehend verzichten.

Dies hängt vor allem vom Patienten ab: ein Mann im besten Alter, eine junge Frau, ein Jugendlicher — jeder hat seine ganz eigenen Begrifflichkeiten, mit denen er sich im Gespräch über Sexualität wohlfühlt. Hier ist es ratsam, auf die Wortwahl des Patienten zu achten und sich darauf einzustellen. Wichtig ist es niemanden zu überfordern. Straßenjargon und vulgäre Begriffe sind im Arzt-Patientengespräch selbstverständlich Tabu.

Richtig verstehen
Jeder Arzt sollte sicherstellen, dass der Patient versteht, was er meint, wenn er beispielsweise von Oralverkehr oder Vaginalverkehr spricht. Auch sollte der Arzt nachfragen, wenn der Patient nur sehr vage formuliert. Was ist genau mit "Rummachen" oder "untenrum" gemeint. Auch können Grafiken und Bilder bei einem Gespräch über Sexualität hilfreich sein.

Aber der Arzt sollte auch hinsichtlich der sexuellen Orientierung des Patienten neutral bleiben. Statt von der Ehefrau, der Freundin, dem Ehemann oder dem Freund zu sprechen, gewährt der Begriff "Partner" eine viel größere Neutralität.

4. Zwischen Nähe und Distanz - empathisch beraten
Jeder Patient ist anders. Der eine möchte nur Informationen, ein anderer wünscht sich von seinem Arzt eine emotionale und verständnisvolle Ansprache. Dies gilt für alle Arzt-Patientengespräche. Das Thema Sexualität hat jedoch eine Besonderheit. Es ist immer ganz eng mit Emotionen verbunden. Dabei reicht die Palette von liebe- und lustvoll bis hin zu traumatisch. Daher ist es insbesondere in der Sexualmedizin wichtig aktiv zuzuhören und die Emotionen des Patienten bei der Gesprächsführung zu berücksichtigen. Der Arzt sollte Emotionen benennen und Verständnis oder auch Respekt ausdrücken. Empathie lautet hier die Zauberformel.

Gleichzeitig ist natürlich die beratende Kompetenz des Arztes gefragt. Bei Gesprächen über Sexualität geht es vor allem um die richtige Mischung zwischen empathischer Nähe und professioneller Distanz. Das Gefühl des Patienten, gut aufgehoben zu sein und ernst genommen zu werden, spielen für den Vertrauensaufbau, aber auch für die Therapietreue eine entscheidende Rolle.

Niemand sollte sich schämen müssen
Viele Situationen beim Arzt, aber auch sexuelle Beratungsthemen können Schamgefühle beim Patienten auslösen. Daran hat auch eine gewisse Freizügigkeit in den Medien nichts geändert. Daher ist es wichtig, sich potenziell beschämender Momente bewusst zu werden und diese möglichst zu vermeiden wie z. B. Patienten unnötig lang unbekleidet warten zu lassen. Es kann aber auch hilfreich sein, Schamgefühle indirekt anzusprechen: "Es ist für Sie vielleicht ungewohnt, mit einem fremden Menschen über Sexualität zu sprechen." Oder "Es scheint Ihnen sehr schwer zu fallen, darüber zu sprechen."

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